Backups sind wie Versicherungen - man braucht sie selten, aber wenn, dann dringend. Eine durchdachte Backup-Strategie kann Ihr Unternehmen vor dem Totalverlust bewahren. In diesem Artikel erklären wir bewährte Methoden.

Die 3-2-1-Regel

Die 3-2-1-Regel ist der Goldstandard für Backup-Strategien:

  • 3 Kopien Ihrer Daten (Original + 2 Backups)
  • 2 verschiedene Medientypen (z.B. SSD + externe Festplatte)
  • 1 Kopie an einem anderen Standort (Offsite)

Warum diese Regel funktioniert

  • Festplatte defekt? → Sie haben noch 2 weitere Kopien
  • Ransomware verschlüsselt alles? → Offsite-Backup ist nicht betroffen
  • Gebäude brennt ab? → Daten sind an anderem Standort sicher

Backup-Arten

Vollbackup (Full Backup)

Sichert alle Daten komplett. Einfach, aber speicher- und zeitintensiv.

Vorteile:

  • Einfache Wiederherstellung
  • Alle Daten in einer Datei

Nachteile:

  • Hoher Speicherbedarf
  • Lange Backup-Dauer

Inkrementelles Backup

Sichert nur Änderungen seit dem letzten Backup (egal ob Voll- oder Inkrementell).

Mo: Vollbackup (10 GB)
Di: Inkrementell (500 MB Änderungen)
Mi: Inkrementell (300 MB Änderungen)
Do: Inkrementell (400 MB Änderungen)

Vorteile:

  • Schnell
  • Wenig Speicherplatz

Nachteile:

  • Wiederherstellung braucht alle inkrementellen Backups in Reihenfolge
  • Fehlt ein Glied, ist die Kette gebrochen

Differenzielles Backup

Sichert alle Änderungen seit dem letzten Vollbackup.

Mo: Vollbackup (10 GB)
Di: Differenziell (500 MB seit Mo)
Mi: Differenziell (800 MB seit Mo)
Do: Differenziell (1.2 GB seit Mo)

Vorteile:

  • Wiederherstellung braucht nur Vollbackup + letztes Differenzielles
  • Schneller als Vollbackup

Nachteile:

  • Mehr Speicher als Inkrementell
  • Wächst mit der Zeit an

Backup-Rotation

Großvater-Vater-Sohn (GFS)

Ein klassisches Rotationsschema:

  • Sohn (täglich): 7 Tagesbackups, jeden Tag überschrieben
  • Vater (wöchentlich): 4 Wochenbackups, jeden Montag
  • Großvater (monatlich): 12 Monatsbackups, jeden 1. des Monats

So haben Sie immer:

  • Die letzten 7 Tage
  • Die letzten 4 Wochen
  • Die letzten 12 Monate

Retention-Beispiel

Täglich behalten:     7 Tage
Wöchentlich behalten: 4 Wochen
Monatlich behalten:   12 Monate
Jährlich behalten:    Unbegrenzt

Offsite-Backup-Optionen

Cloud-Storage

  • Vorteile: Automatisch, skalierbar, keine eigene Hardware
  • Anbieter: S3-kompatible Storage, Backblaze B2, Hetzner Storage Box
  • Achten auf: DSGVO-Konformität, Verschlüsselung

Zweites Rechenzentrum

  • Vorteile: Volle Kontrolle, schnelle Wiederherstellung
  • Nachteile: Höhere Kosten

Physische Medien (Offsite)

  • Externe Festplatten an anderem Standort lagern
  • Für kleine Unternehmen praktikabel
  • Regelmäßiger Austausch wichtig

Backup-Software für Linux

rsync

Das Schweizer Taschenmesser für Backups:

rsync -avz --delete /var/www/ /backup/www/

Restic

Modernes Backup-Tool mit Deduplizierung und Verschlüsselung:

# Repository initialisieren
restic init --repo /backup/restic

# Backup erstellen
restic backup /var/www /etc --repo /backup/restic

# Alte Backups aufräumen
restic forget --keep-daily 7 --keep-weekly 4 --keep-monthly 12 --prune

BorgBackup

Ähnlich wie Restic, sehr effizient bei Deduplizierung:

# Repository erstellen
borg init --encryption=repokey /backup/borg

# Backup
borg create /backup/borg::{now} /var/www /etc

# Alte Backups aufräumen
borg prune --keep-daily=7 --keep-weekly=4 --keep-monthly=12 /backup/borg

Datenbank-Backups

Datenbanken brauchen spezielle Behandlung - eine laufende Datenbank einfach kopieren führt zu inkonsistenten Daten.

MySQL/MariaDB

mysqldump -u root -p --all-databases > /backup/all-databases.sql

Automatisch per Cron:

0 2 * * * mysqldump -u backup -p'passwort' --all-databases | gzip > /backup/db-$(date +\%Y\%m\%d).sql.gz

PostgreSQL

pg_dumpall -U postgres > /backup/postgresql-all.sql

Backup-Verifizierung

Ein Backup, das nicht funktioniert, ist wertlos. Testen Sie regelmäßig:

1. Automatische Prüfung: Backup-Software meldet Fehler 2. Stichproben: Monatlich Dateien aus Backup wiederherstellen 3. Disaster Recovery Test: Jährlich kompletten Server aus Backup aufsetzen

Prüf-Script Beispiel

#!/bin/bash
# Prüfen ob Backup von heute existiert
BACKUP_FILE="/backup/daily/backup-$(date +%Y%m%d).tar.gz"

if [ -f "$BACKUP_FILE" ]; then
    SIZE=$(stat -c%s "$BACKUP_FILE")
    if [ $SIZE -gt 1000000 ]; then
        echo "Backup OK: $BACKUP_FILE ($SIZE Bytes)"
        exit 0
    fi
fi

echo "FEHLER: Backup nicht gefunden oder zu klein!"
# Hier E-Mail-Benachrichtigung einbauen
exit 1

Verschlüsselung

Backups sollten verschlüsselt sein, besonders bei Offsite-Speicherung:

  • Restic/Borg: Eingebaute Verschlüsselung
  • GPG: Für einzelne Dateien
  • LUKS: Verschlüsselte Festplatten

Wichtig: Encryption-Key sicher aufbewahren - ohne Key kein Zugriff auf Backup!

Checkliste für Backup-Strategie

  • [ ] 3-2-1-Regel umgesetzt?
  • [ ] Automatisierung eingerichtet (Cron)?
  • [ ] Offsite-Kopie vorhanden?
  • [ ] Datenbanken korrekt gesichert?
  • [ ] Backups verschlüsselt?
  • [ ] Wiederherstellung getestet?
  • [ ] Monitoring für fehlgeschlagene Backups?
  • [ ] Retention-Policy definiert?
  • [ ] Dokumentation vorhanden?

Fazit

Eine gute Backup-Strategie folgt der 3-2-1-Regel und wird regelmäßig getestet. Automatisieren Sie Ihre Backups, überwachen Sie den Erfolg, und - am wichtigsten - testen Sie die Wiederherstellung. Ein Backup, das nicht getestet wurde, ist nur ein Gefühl von Sicherheit.